Mittwoch 27. April 2016 | 14:16

Präsentation des neuen Bahnhofs Liestal vom 25. April 2016: Hohe Identität, grosse Wiedererkennung

Teilen

Ein Bahnhof, wie es sonst keinen gibt
Basellandschaftliche Zeitung vom 26. April 2016

Neuer Bahnhof, Hochhaus, Uni-Campus – die Projekte spriessen auf dem Bahnareal
Basellandschaftliche Zeitung vom 27. April 2016

Neuer Schweizer Leuchtturm für Liestal
Basellandschaftliche Zeitung vom 22. April 2016

Die konkrete Frage lautet: Wie muss man den Bahnhof als „Tor zur Welt“ bauen, damit er sowohl den verkehrstechnischen Anforderungen entspricht und als Visitenkarte auch dem Repräsentationsanspruch der Ortschaft Rechnung trägt? Wie darf man ihn auf keinen Fall bauen, wenn das Flair und die Identität bewahrt bleiben sollen?

Welche speziellen Qualitätsansprüche dürfen wir an den neuen Banhof Liestal haben? Der Bahnhof soll den Menschen dienen. Es soll ein Bahnhof sein, der übersichtlich ist. Es soll ein Bahnhof sein, der den Zug in Szene setzt, indem man den Zug von der Stadt her sehen kann. Gleichzeitig muss der Bahnhof aber auch die Stadt in Szene setzen und vom Zug aus sichtbar sein. Es soll ein Bahnhof sein, der im Gespräch der Gebäude rund um den Bahnhof eine sebstbewusste Ausstrahlung hat. Es braucht den Willen zu einer durchdachten, grossen Geste.

Dies sind heute die entscheidenden Fragen und Anforderungen, und es freut mich sehr, dass wir uns in Liestal damit auseinandersetzen können. Unser mittlerweile über 65 Jahre alter Bahnhof ist alles andere als ein Juwel. Darum freut es mich, dass wir Ihnen heute das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbes für den neuen Bahnhof Liestal vorstellen dürfen. Alexander Muhm von der SBB und Jurypräsident Johannes Käferstein werden Sie in wenigen Minuten näher darüber informieren.

Die Baselbieter Kantonshauptstadt wartet schon lange auf einen neuen Bahnhof. Im Vergleich zu anderen Städten der Schweiz gehören wir punkto Bahnhofsneubau zu den Nachzüglern. Aber das Warten hat sich gelohnt, wie Sie gleich sehen werden, denn der neue Bahnhof ist weit mehr als das, was wir bisher in Liestal oder in anderen Städten und Gemeinden als Bahnhof erlebt haben. Der neue Bahnhof eröffnet für unsere Stadt grossartige Chancen für die weitere städtebauliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Bahnhofareals. Eine Entwicklung, die vor über zehn Jahren angefangen hat mit der neuen Kantonsbibliothek und dem Emma Herwegh-Platz. Mit dem Büro- und Geschäftshaus UNO haben wir 2012 den nächsten Schritt gemacht, und Anfang 2016 sind die beiden Wohn- und Geschäftsgebäude „ZentraLiestal“ in Betrieb genommen worden.

Wie ein Corso erstreckt sich der breite, langgestreckte und lebhafte Raum zwischen der Kantonsbibliothek und dem Gerichtsgebäude. Die nördliche Seite ist mit den erwähnten neuen Gebäuden fertig gebaut, und was jetzt noch fehlt, ist der passende Teil auf der anderen Flanke dieses Corsos – ein schöner neuer, moderner, ausdrucksvoller, anziehender und unverwechselbarer Bahnhof. Was wir heute vorgestellt bekommen, ist das Eingangsportal in unseren Corso und damit in unsere Stadt. In seiner Bauart, im gewählten Baumaterial, in der Farbe und in seiner Dimension wird der Bahnhof zum repräsentativen Teil der Baselbieter Kantonshauptstadt mit hohem Identifikationswert für die Einwohnerinnen und Einwohner und mit grossem Wiedererkennungswert für die Auswärtigen. Der neue Bahnhof hebt sich mit seier warmen Ausstrahlung deutlich von anderen Bahnhofbauten ab – und darauf dürfen wir stolz sein.

Es wird ein eigenwilliger und in seinem Wesen unverwechselbarer Bahnhof sein, der die bisherige Identität dieses zentralen Stadtgebietes in eine moderne Zukunft trägt. Der neue Bahnhof soll zu einem menschenfreundlichen Ort der Begegnung werden und zu einer kundenfreundlichen Verkehrsdrehscheibe unserer Region. Gleichzeitigt setzt der neue Bahnhof einen markanten städtebaulichen Akzent in hoher architektonischer Qualität zwischen Emma Herwegh-Platz und Postplatz. Er antwortet nicht nur auf die Punktsetzungen mit den neuen Gebäuden auf der Nordseite, sondern es gelingt auch der Dialog zwischen alt und neu, also insbesondere mit der Kantonsbibliothek, dem Palazzo und dem Gerichtsgebäude.

Liestal ist regionales Zentrum mit ausgebautem öffentlichen Verkehr und gemessen an der Einwohnerzahl überdurchschnittlich vielen Arbeitsplätzen. Der Bahnhof hat in der Entwicklung der Stadt immer eine wichtige Rolle gespielt. Diese Rolle wird künftig noch bedeutender, und mit dem neuen Bahnhof sehen wir jetzt, in welche Richtung diese Entwicklung geht. Den entscheidenden Impuls für das neue Bauwerk hat der Vierspurausbau gegeben. Erst dank eines zusätzlichen Geleises können wir den Viertelstunden-Takt der S-Bahn einführen. Damit wird Liestal noch besser mit Basel verbunden, können wir die Frequenzen in unserem Bahnhof weiter erhöhen und unsere Kantonshauptstadt zum attraktiven Wohn, Geschäfts- und Arbeitsort weiter ausbauen.

Der neue Bahnhof signalisiert Kontinuität und Aufbruch zugleich. Er setzt einen weiteren Markstein in der Geschichte und steht für das Liestal von morgen. Durch ihn erschliesst sich ein Areal, das sich hervorragend für verdichtetes Bauen eignet, wie wir es mit dem UNO-Gebäude angefangen haben. Die noch unbebauten Flächen im Norden des Bahnhofgebietes wollen wir dazu nutzen. Gemeinsam mit den bereits realisierten Wohn- und Geschäftsgebäuden und weiteren geplanten Bauten wollen wir ein einladendes Lebensumfeld für den öffentlichen Verkehr, für Wohnen, Einkauf, Gewerbe, Dienstleistung, Kultur und Erholung gestalten. Dazu gehört, dass der öffentliche und private Verkehr auf dem Bahnhofplatz entflechtet werden, dazu gehören Velowege entlang der Bahnstrecke, Veloabstellplätze, oberirdische und unterirdische Parkplätze für Autos, Cafés und kulturelle Angebote, wie wir sie schon heute kennen. Eine starke Anziehungskraft des Bahnhofes mit zusätzlichen Arbeitsplätzen und mehr Bahnkunden kommt der ganzen Stadt zugute.

Der Bahnhof ist nicht nur das Tor zum Corso und zur Stadt für alle, die mit dem Zug, dem Bus oder wie auch immer nach Liestal kommen, er ist auch Angelpunkt zwischen dem südlichen und dem nördlichen Stadtgebiet. Mit dem Neubau und dem weiteren Ausbau der Gleisanlagen soll eine sicherere und hindernisfreiere Verbindungen zwischen diesen Stadtteilen entstehen. Auch das ist ein deutlicher Mehrwert, den wir mit dem neuen Bahnhof bekommen.

Ich danke der SBB herzlich, dass sie in die Modernisierung und in den Ausbau des Bahnhofes und des weiteren Bahnhofareals investiert. Natürlich – diese Investition soll in erster Linie den Kundinnen und Kunden der SBB zugute kommen. Aber sie bedeutet genau so für Liestal und für den Kanton eine vielversprechende Investition in die Zukunft. Darum ist heute ein Tag der Freude.